Presseerklärung der Gewerkschaften zur DVLfB-Fortbildungsstudie

GEW und VBE: „Höhere Investitionen in die Fortbildung von Lehrkräften überfällig“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisieren, dass das Thema Fortbildung bei der Diskussion um die Bildungsqualität in Deutschland seit Jahren „stiefmütterlich behandelt wird“. Sie mahnen höhere Investitionen in die Fortbildung an, damit diese quantitativ und qualitativ ausgebaut wird. Zudem müsse dem Thema Fortbildung von Kultusministerkonferenz (KMK) und Ländern mehr Bedeutung beigemessen werden. „Integration, Inklusion und Digitalisierung stellen Anforderungen an Lehrkräfte, denen sie nur mit einer qualitativ hochwertigen Vorbereitung angemessen begegnen können. Engagement und Motivation der Lehrkräfte allein reichen dafür nicht aus. Die Politik ist gefordert, Lehrkräfte endlich ausreichend zu unterstützen. Es kann nicht sein, dass ihnen immer mehr abverlangt wird, die Politik aber die notwendige Unterstützung durch Fortbildung verweigert“, bemängelt Udo Beckmann, VBE-Bundesvorsitzender.
Der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen und Lehrerfortbildung e. V. (DVLfB) hat unter der Leitung des Lehrerfortbildungsexperten Peter Daschner und mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung in einer umfangreichen Bestandsaufnahme festgestellt, dass die Fortbildung massiv unterfinanziert sei. (Download der Recherche)

Die Investitionen in diesem Bereich seien demnach in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. „Man darf bei der Weiterentwicklung der Bildungsqualität nicht immer nur auf den Lehrkräftenachwuchs und das Studium setzen und dabei die Lehrkräfte im Schuldienst vernachlässigen“, betont GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann, die für Schule verantwortlich ist. Hier gebe es zu wenig Unterstützung durch gezielte schulinterne Fortbildungen. Zudem brauche es einen Anspruch auf eine fixe Zahl an Fortbildungstagen für schulinterne Fortbildungen.
Die Lehrerfortbildung ist laut Bestandsaufnahme des DVLfB schlecht vorbereitet auf die Herausforderungen, denen sich die Schulen derzeit gegenübersehen. Es fehle an Angeboten, nachhaltigen Formaten, Strukturen und Personal. „Gerade angesichts des Lehrkräftemangels müssen die Kapazitäten in den Fortbildungsinstituten massiv erhöht werden. Die Lehrkräfte an den Schulen stemmen momentan immer mehr. Deshalb müssen sie besonders intensiv auf die Aufgaben vorbereitet werden“, unterstreicht Hoffmann. Dazu braucht es Qualität auf allen Ebenen des Fortbildungssystems. „Weil die aber bisher von der Bildungspolitik vernachlässigt wurde", so der Vorsitzende des DVLfB Rolf Hanisch, „haben wir neben der Bestandsaufnahme einen Musterqualitätsrahmen entwickelt – als Bauplan für wirksame Fortbildung".
Der VBE-Bundesvorsitzende Beckmann macht deutlich, dass sich auch die Planung verändern müsse: „Muss eine Schule mit 100 Prozent Lehrerbesetzung planen, reißt jede Fortbildung ein Loch in den Stundenplan. Damit jede Lehrkraft während der Dienstzeit Fortbildungen wahrnehmen kann, braucht es einen entsprechenden Stellenpuffer pro Schule.“

VBE und GEW schließen sich den Handlungsempfehlungen des Deutschen Vereins zur Förderung der Lehrerfortbildung (DVLfB) an und fordern von KMK und Kultusministerien:

• Herstellung von Transparenz und Vergleichbarkeit durch regelhafte Berichterstattung nach definierten Kriterien (KMK-Kommission Lehrerbildung)
• Länderübergreifende Kooperation, z. B. bei der Entwicklung nachhaltiger Formate und aussagekräftiger Evaluationsverfahren
• Systematische Erfassung des Fortbildungsbedarfs durch gezielte Befragung der Lehrerschaft und Nutzung vorhandener Daten wie der schulischen Fortbildungspläne sowie der Ergebnisse von Schulinspektionen
• Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung
   o gemeinsame Standards (vgl. der neue Musterorientierungsrahmen des DVLfB)
   o gemeinsame Kriterien für Monitoring, Evaluation und Berichterstattung
   o Umsteuerung bei den Formaten: Entwicklung und Einsatz wirksamer Angebote mit Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen
   o länderübergreifender Austausch zu good practice und Kooperation bei der Vergabe von Forschungsaufträgen
   o Professionalisierung des Fortbildungspersonals (spezifische Qualifizierung, Einsatz mit mindestens einer Drittelstelle; Zertifizierung der freien Anbieter)
   o definierte Zeitgefäße für die Lehrerfortbildung (100 Prozent + x Versorgung im Lehrerstellenplan) zur Ermöglichung wirksamer Formate und zur Vermeidung von Unterrichtsausfall
• Ressourcenabbau stoppen, Angleichung an die Entwicklung der Ausgaben für das staatliche Schulwesen
   o Offenlegung der tatsächlich für Lehrerfortbildung eingesetzten Mittel
   o Einigung auf Kostenkriterien
   o Beteiligung der Lehrerfortbildung an der Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Zur Frage, wie die Fortbildung qualitativ hochwertig gestaltet werden kann, hat der DVLfB einen Musterqualitätsrahmen entwickelt, der gemeinsam mit der Bestandsaufnahme Ende des Jahres im Beltz-Verlag erscheint.

Zusätzliche Informationen